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Cora Korte

exhibitions of georgmolitoris galerie

  • Peter von Felbert

  • Jacob Herskind

  • Simone Kühn

  • Harald Wolff

  • Henri Deparade

  • Johannes Gervé

  • Jan Bertheau

    „unbunt“

    Im Jahr 1927 lief in deutschen Kinos der Film „Berlin. Sinfonie einer Großstadt“ an. Der Regisseur Walther Ruttmann zeigte in einer rasant geschnittenen Dokumentation einen Tag in Berlin, der ersten modernen deutschen Metropole: Ein Tag von frühmorgens bis spät in die Nacht; Bilder von Arbeitern, Angestellten, Hausfrauen, Polizisten, Postboten, Kindern auf dem Weg durch die Straßen; Bilder von Fabriken, Wohnhäusern, Büropalästen, Nachtclubs, Autos, Straßenbahnen, Pferden. Ruttmann filmte neue, nie gesehene Blicke und Perspektiven, und es gelang ihm, aus dem vorbeirauschenden Großstadtleben einzelne Szenen und Bilder herauszufiltern, die noch heute als Synonyme für Großstadt, für modernes Erwerbsleben stehen.
    Jan Bertheaus Bilder sind die Bilder unserer heutigen Großstadtsinfonie. Sie sind innerlich eingeprägte Chiffren der großstädtischen Welt aus Büros, Straßen, öffentlichen Räumen, deren Teil der Maler selbst jahrelang war. Kein Baum, kein Stückchen Himmel aus seinem Holsteiner Atelier verirrt sich in diese Weltbilder aus Stahl, Glas und Beton. Der Blick des Malers auf die Welt ist starr. Er sieht alles, und er sieht nichts genau. Unsere urbane Welt flutet in das weit geöffnete Auge des Malers. Er analysiert, was wir sehen und wie wir sehen. Unser Blick erfasst vieles gleichzeitig, bewusst wahrgenommen und letztlich gespeichert werden indes nur Versatzstücke unserer täglichen Lebenswelt. Jan Bertheau spürt diese heraus und macht sie zum Motiv. Aus dem unbewusst Gebliebenen unseres Blicks entwickelt der Maler hybride Formen, gegenständlich und abstrakt zugleich – die Bilder zeigen das, was sich vom Schauen in die Welt letztlich in die innere Festplatte einbrennt. Jan Bertheau malt eine ganz neue Art von Bildern, etwas, was wir so noch nicht gesehen haben und was wir aber doch gleich erkennen und kennen – eben unseren eigenen Blick, unser Bild der Welt. Man kann vor diesen Bildern stehen, sie mögen oder nicht. Kaltlassen werden sie aber keinen.

    Jan Bertheau beschränkt sich in seinen aktuellen Bildern auf eine der interessantesten Farben der Malerei. Zwischen den denkbar größten Gegensätzen Schwarz und Weiß liegend, bietet Grau dem Maler mit über fünfhundert für den Menschen unterscheidbaren Tönen ein unerschöpfliches Ausgangsmaterial. Die Reduktion der Farbpalette auf eine Farbe lenkt den Blick des Betrachters unmittelbar auf den malerischen Vorgang und seine expressiven Gesten. Sie streicht die Sinnlichkeit des Mediums Farbe als des ureigensten Mediums der Malerei heraus: Die übereinanderliegenden, oft lasierenden Farbschichten sprechen vom Entstehungsprozess des Bildes, die pastosen Spitzen halten das Auge fest und die freistehenden Flächen von grundierter Leinwand bringen Lichtenergie ins Bild.

    Jan Bertheaus bevorzugter Farbton – Payne’s Grey – ist eine Mischung aus Ultramarin und Ruß-Schwarz. Bei dünnem Farbauftrag kommt das Blau verstärkt zur Geltung und verleiht den Bildern ihr eigentümliches Leuchten, ihre ganz eigene Aura.

    Jan Bertheau ist nicht der erste, der Bilder in Grau malt. Aber was er aus der Farbe herausholt, das ist neu und anders. Der Schwarz-Weiß-Kontrast, dazugehörig auch die Farbe Grau, ist ja das künstlerische Mittel der Grafik, der Zeichnung schlechthin. Jan Bertheau nutzt die grafische Energie des Schwarz-Weiß für seine Malerei – er macht mit ganz wenig Mitteln Musik. Bertheaus Kompositionen haben alle einen Rhythmus, mal schneller, mal langsamer, aber immer intensiv und deutlich spürbar. Diesen Beat, den spüren wir, wenn wir vor den Bildern stehen.

    Die Farbe Grau wirkt bei Jan Bertheau auch auf der unterbewussten Ebene. Seine Bildsprache ist weder gegenständlich noch abstrakt. Bertheau malt hyperrealistische Abbilder des inneren Blicks. Diesen Anspruch, das wirkliche Bild der Welt zu erfassen, unterstreicht die Farbe Grau. Grau ist schließlich nicht nur die Farbe der Eintönigkeit, der Eleganz, des Alters oder der Dämmerung. Grau ist auch die Farbe, der wir lange vertraut haben – es ist die ursprüngliche Farbe der Fotografie (natürlich auch die frühe Farbe des Films, so wie Ruttmanns Großstadtsinfonie). Die Farbe der Fotografie, die, zumindest im ersten Ansatz , alles genau so wiedergibt, wie es wirklich ist. Später kam die Buntheit in die Fotos, aber Zeitungsfotos blieben viel länger – bei der F.A.Z. bis vor zwei Jahren – schwarz-weiß, also grau. Wir sind geneigt, solch einem Foto erst einmal zu vertrauen. Schwarz-Weiß-Fotos strahlen auch heute noch eine gewisse Seriosität aus – in einer Zeit der digitalen, blitzschnell zu verbreitenden bunten Bilderflut vielleicht sogar wieder mehr als noch im vergangenen Jahrhundert. Auch Jan Bertheaus Bilder beanspruchen für sich, wahr zu sein, das innere Bild der Welt zu zeigen. Ihr kühles Schwarz-Weiß, ihr Grau verleiht ihnen etwas Dokumentarisches, etwas Objektives, Unangreifbares. Der dokumentarische Anspruch der Bilder existiert neben ihrem Sein als purer Malerei. Beides zusammen ergibt jene eigentümliche Mischung, jenen Hybrid-Charakter, jenes Neue, was Jan Bertheaus Kunst ist.

    Jan Bertheau spürt den Stimmungen unseres Jahrzehnts nach. Er findet Verunsicherung, Vereinzelung, Sehnsucht nach Werten und Sinn. Die moderne Großstadt-Gesellschaft beschäftigt den Maler seit den 1990er Jahren. Immer wieder entstehen Werke zu diesem Thema. Mit dem 11. September 2002 wurde dann zu ersten Mal allen klar, dass sich die Nachkriegswelt geändert hatte. Ein diffuses Gefühl von Verunsicherung beschlich das Wirtschaftswunderland Deutschland. Wirklich beeinträchtigt wurde das öffentliche Wohlbefinden aber eher weniger, bis 2008 die Banken zusammenkrachten und die Realität auch in deutsche Köpfe und Herzen einbrach. Da waren Jan Bertheaus Bilder schon da – als Chiffren unserer Zeit – kühl und sehnsuchtsvoll, gefährlich und schön.

    Ich habe Ihnen Jan Bertheau als Maler seiner aktuellen Bilder vorgestellt und möchte nun noch einige biografische Daten hinzufügen. Jan Bertheau ist gebürtiger Hamburger.

    Er studierte an der Hamburger Kunsthochschule bei K.P. Brehmer Malerei und lebt heute mit seiner Familie in Hohwacht/Holstein an der Ostsee. Hier entstehen die Bilder der Großstadt, die Sie heute sehen – und vielleicht ist ihr eigentümliches blaues Leuchten ja auch ein kleiner Abglanz des Meeres – das wäre an Tagen wie heute doch eine tröstliche Vorstellung.

    Dr. Kathrin Reeckmann, Kunstvermittlung Hamburg, 2009

  • Paola Nasini

    PAOLA NASINI ARTIST STATEMENT

    Since I was a child I have been fascinated with people in the street. You know when you stop for a moment and ask “Who is he?” “Who is she?”.
    You ask questions to yourself about what they wear, where they are going, what they are doing. So many of them. And you choose one. And follow him or her a bit with your eyes. Examining all the details that make them so unique. And you want to know their essence what makes them who they are. Men and women. Mysteries.

    When I started to take photographs the same obsessions arose but then I began to stop those people and ask if I could take a photo and during this time I would ask them questions about themselves.
    It’s a way of knowing and finding out about who this person is. The one you stopped in the street. The one you desired to know more about. And I began to see that there was a pattern. Of the ones I chose, many seemed to be a little out of place in this world. Or they did not know their place.
    Maybe I identify with this feeling myself.

    I’m not a one-take photographer. Literally I will shoot the subject till they tell me to stop or have to get some shopping or take the dog for a walk. I think this because, when you talk and the person gets into a dialogue the mask drops and they reveal themselves for a moment.

    And that’s the moment I am trying to capture.

  • Künstler der georgmolitoris galerie